deine handvoll zeit
du zogst durch dieses land so wie ein vogel ohne nest
wer brav war, hielt sich fern von dir, als hättest du die pest,
und deine kleider rochen seltsam, so nach rauch und nach jasmin,
dein weg war tausend schritte weit und führte dich nirgendwohin.
der eine hielt dich für ‘nen strolch, der andere für ‘nen dieb
und manche sah’n in dir den kindertraum, der ihnen nicht blieb;
und wer geschuftet hat sein leben lang, der konnte nicht verstehn,
dass du die zeit damit vergeudest, den leuten in die augen zu sehn.
du trugst in deinen händen deine zeit
und hast sie wie eine gute saat ausgestreut.
du schliefst die kurzen nächte unter irgendeinem dach,
und gingst du morgens fort, dann schaute keiner dir nach;
und jagten dich die bürger auch aus ihren häusern hinaus,
dann schien der weite himmel dir doch fast wie ein festes haus.
du kanntest manches mädchen, manches glatte gesicht.
dort bliebst du manche nacht, doch sehr lange hielt’s dich nicht;
du liebtest jede, die sich eine handvoll zeit von dir nahm
und die freude dir zurückgab, die sie von dir bekam.
du trugst in deinen händen deine zeit
und hast sie wie eine gute saat ausgestreut.
“du hast in deinem leben nicht vernünftiges gemacht”
wer sowas zu dir sagte, den hast du ausgelacht;
hast nicht verglichen, nicht geplant, und du kanntest keinen neid,
du wolltest nur zufrieden sein mit deiner handvoll zeit.
als diese handvoll zeit allmählich ausgetrunken war,
gingst du zurück zu jener mit dem duftenden haar –
du trugst in deinen händen deine zeit
und hast sie wie eine gute saat ausgestreut.
du zogst durch dieses land so wie ein vogel ohne nest
wer brav war, hielt sich fern von dir, als hättest du die pest,
und deine kleider rochen seltsam, so nach rauch und nach jasmin,
dein weg war tausend schritte weit und führte dich nirgendwohin
von ulrik remy
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